Bindungsenergetik


Wenn wir auf unser Herz hören würden in jeder alltäglichen Situation -, wenn unser Gehirn mit unserem Herzen im Einklang stünde, würden wir uns wohl fühlen, bräuchten keine Krankheiten zu entwickeln und könnten ein schöpferisches Leben in liebevoller Beziehung zu uns, zu Anderen und zur Welt führen. Das ist die Grundannahme der Bindungsenergetik.

 

Der Psychologe und Körperpsychotherapeut Michael Munzel hat aus der modernen Gehirn- und Bindungsforschung, der Neurokardiologie, sowie aus den energetischen Ansätzen Reichianischer Körpertherapie einen zeitgemäßen Ansatz körperorientierter Psychotherapie entwickelt. Die Energetik des Herzpulses und seine dauerhaften Beziehungen, die Bindungen, geben diesem Ansatz ihren Namen: Bindungsenergetik. 

In der Kindheit entwickelt sich unser Gehirn rasant und Wir lernen unzählige Dinge. Dabei wird unser Lernen maßgeblich von den Personen beeinflusst, zu denen wir eine enge Bindung haben. Meist sind das unsere Eltern. Sie prägen tiefgreifend unsere Entwicklung. Die Erfahrungen mit ihnen bestimmen, wie wir später die Welt sehen, wie wir mit Anderen und uns selbst umgehen, wie wir Probleme lösen, was wir glauben und für richtig und wichtig befinden. 

 

Eine gute Bindung verleiht Sicherheit und Stabilität, gibt Orientierung und definiert unsere Zugehörigkeit. Auf dieser Basis kann sich das Kind der Welt öffnen, seine Erfahrungen machen und auf andere Menschen zugehen. Unsere Zeit ist von hoher Bindungslosigkeit gekennzeichnet und viele Menschen haben leider negative Bindungserfahrungen gemacht. Sie haben daraufhin Reaktions- und Verhaltensweisen entwickelt, die sie in ihrer Entfaltung behindern und Stress verursachen, sei es in ihren Beziehungen zu sich selbst, zu Anderen oder zur Arbeit. 

 

Sie geraten immer wieder in Situationen, in denen ihr Gehirn überfordert ist und sie mit dem Gelernten nicht weiter kommen. Die Reichianische Tradition geht vom Prinzip der Selbstregulation aus. Jeder Mensch trägt die Kraft und das Wissen in sich, heil zu werden. Der bindungsenergetische Ansatz sagt, dieser Heiler in uns ist unser Herz. Das Herz ist nicht nur eine Blutpumpe, sondern ein wichtiges Zentrum. Es ist unser Bindungsorgan, das Energie liefert, Informationen aussendet und kommuniziert. In ihm finden wir unser Selbst. Es besitzt seine eigene Intelligenz, die oft eine heilsame Alternative zu dem ist, was uns das Gehirn aufgrund seiner Prägung vorschlägt. 

 

Das erste Anliegen in der bindungsenergetischen Arbeit ist es, die Herzkraft aufzubauen und zu stärken. Das gestresste Gehirn entspannt sich und man kann sich wieder der Welt jenseits seiner Probleme öffnen. Ist die Kraft des Herzens gestärkt, kommen seine Informationen im Gehirn wieder mehr zur Wirkung. 

 

Ziel der Therapie ist es, eine liebevolle Beziehung zum eigenen Herzen aufzubauen. Die erlernten Muster wirken dem oft entgegen. So besteht im weiteren Therapieverlauf die Hauptarbeit darin, sich mit dem Bindungsmuster auseinander zu setzen und eine Alternative aufzubauen. Jeder Mensch hat ein individuelles Bindungsmuster. Aus diesem heraus betrachten wir die Welt, reagieren und handeln wir. So kristallisiert sich z.B. in dem Muster "Ich bin hin und her gerissen und genüge nie" eine Kindheit, die geprägt war von getrennten und ewig verfeindeten Eltern, die statt Liebe zu geben, ihre gegensätzlichen und hohen Erwartungen an das Kind stellten. Die Bedürfnisse des Kindes waren dabei wenig von Interesse. Es fällt dieser Klientin bis heute schwer, Entscheidungen zu fällen, sich fest zu legen. Sie hat dabei oft ein schlechtes Gewissen und das Gefühl des Ungenügens. Sie weiß nicht, was sie selbst will und wer sie ist. In Beziehungen fühlt sie sich nicht liebenswert. 

 

Ihre Therapie wäre erfolgreich beendet, wenn sie in der Lage wäre, selbstbestimmt in einer liebevollen Beziehung zu leben. Die Entwicklung neuer Strukturen bedarf einer stabilen Bindung - so die Gehirnforschung. Die sichere Herzbeziehung zum Therapeuten ist deshalb die Voraussetzung, die alten Bindungsmuster durch den Aufbau neuer intelligenterer Verbindungen zu ersetzen. Dabei kommen die alten Erfahrungen, die zur Entstehung der Muster geführt haben, an die Oberfläche und können (anders) verarbeitet werden. 

 

Die Methode der Bindungsenergie wird insbesondere angewendet bei folgenden Therapiefeldern: - bei Störungen mit sich selbst und/oder Anderen (Ängsten, Depressionen, Zwänge, Beziehungsproblemen) - bei traumatischen Erfahrungen (schmerzliche Trennungen, Missbrauch, ) - bei psychosomatischen Erkrankungen (Multipler Sklerose, Tinnitus, Hauterkrankungen, Migräne, Bluthochdruck) (Text: Gudrun Grohmann)